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foodwatch. de: Aktuelles zu Gentechnik, Bio-Siegel und Listerien im Käse

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Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung, heißt es gemeinhin. So gesehen, könnte man die Empfehlung, die kürzlich in einer Fachzeitschrift der Lebensmittelbranche erschien, als gutes Zeichen werten: Hersteller sollten „den Marketing-Bogen nicht zu weit spannen“, sondern ihre Werbeaussagen kritisch überprüfen, um jede Irreführung der Verbraucher zu vermeiden. So der Rat der PR-Agentur Engel & Zimmermann, die bisher vor allem für ihre unnachgiebige Haltung bekannt war. Dies ist nun wirklich eine bemerkenswerte Einsicht – die allerdings der anhaltenden Kritik (nicht zuletzt von foodwatch) an der Lebensmittelindustrie geschuldet ist. Begründet wird die Empfehlung auf den Täuschungsverzicht nämlich so: „Hier schauen Nichtregierungsorganisationen, Medien und Verbraucher genau hin.“ Völlig richtig – und wir werden das auch in Zukunft aufmerksam tun. Versprochen.

Viele Grüße,
Ihr foodwatch-Team

Unsere Themen:
Gentechnik im Honig: Europäischer Gerichtshof stärkt Verbraucherrechte
Am Dienstag entschied der Europäische Gerichtshof (EuGH) in einem Grundsatzurteil, dass Pollen im Honig als Zutat gelten. Was zunächst banal klingt, kann weitreichende Konsequenzen haben. Denn für alle „Zutaten“ in Lebensmitteln gilt: Enthalten sie mehr als 0,9 Prozent genetisch verändertes Material, muss dies gekennzeichnet werden. Folglich muss Honig, der einen entsprechend großen Anteil genetisch veränderter Pollen enthält, nun gekennzeichnet werden. Dies stärkt die Wahlfreiheit der Verbraucher, selbst zu entscheiden, ob sie Produkte mit Gentechnik kaufen wollen oder nicht. Der EuGH bestätigte außerdem die sogenannte „Nulltoleranz“: Werden Bestandteile genetisch veränderter Pflanzen nachgewiesen, die in Europa nicht als Lebensmittel zugelassen sind, darf der Honig nicht verkauft werden. Das könnte vor allem Produkte aus Kanada oder Südamerika betreffen, die zurzeit noch in deutschen Supermarktregalen stehen.

10 Jahre Bio-Siegel
Runder Geburtstag: Seit 10 Jahren gibt es das deutsche Bio-Siegel. Mehr als 60.000 Produkte tragen mittlerweile freiwillig das bekannte sechseckige Logo. In dem verwirrenden Siegel-Dschungel im Lebensmittelbereich ist das Öko-Kennzeichen eines von nur zwei staatlichen Siegeln. Es garantiert dem Verbraucher, dass Produkte die Anforderungen der EU-Öko-Verordnung erfüllen – eine Art Bio-Mindeststandard. Kriterien wie etwa der Wasserverbrauch oder regionale Herkunft indes werden nicht berücksichtigt.

Todesfälle durch Listerien: Ermittlungen gegen Ministerium eingestellt
Vor eineinhalb Jahren kam es zu mehreren Todesfällen, nachdem die Supermarktkette Lidl in Deutschland sowie Händler in Österreich mit Listerien belasteten Käse des Herstellers Prolactal verkauft hatten. Das zuständige Verbraucherministerium in Baden-Württemberg hatte seinerzeit keine eigene Meldung veröffentlicht, um die Verbraucher vor dem Verzehr des Käses zu warnen. foodwatch stellte daher Strafanzeige gegen die Verantwortlichen wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung bzw. Körperverletzung mit Todesfolge. Doch die Staatsanwaltschaft Heilbronn hat die Ermittlungen gegen die Beamten nun eingestellt. foodwatch hätte erst das Unmögliche beweisen müssen: dass eine bessere Informationspolitik Todesfälle verhindert hätte. Zudem sei die Behörde „nur subsidiär für eine ausreichende Verbraucherinformation zuständig“. Konkret heißt das: Da Lidl bereits selbst über den Vorfall informiert hatte, mussten die Beamten nicht mehr aktiv werden. Absurd, denn ein Unternehmen kann durchaus ein Interesse daran haben, eigene Missstände in der Öffentlichkeit möglichst klein zu halten. Entsprechend zurückhaltend war auch die Empfehlung der Supermarktkette geraten, den Käse „aus Gründen des vorbeugenden Verbraucherschutzes“ nicht zu essen – eine angesichts der tatsächlich lebensbedrohlichen Gefahr kaum angemessene Formulierung. Einen foodwatch-Antrag auf Akteneinsicht lehnte die Staatsanwaltschaft ab, weil gegen andere Beteiligte noch ermittelt werde. Der Fall zeigt deutlich eine Schwachstelle des deutschen Lebensmittelrechts: Es kann nicht sein, dass die zuständigen Behörden die Weitergabe gesundheitlich relevanter Informationen den betroffenen Unternehmen überlassen. Die Behörden müssen dazu verpflichtet werden, bei Gefahr von sich aus sofort und unmissverständlich die Öffentlichkeit umfassend zu informieren. In Österreich ist dies übrigens seit kurzem der Fall – eine Reaktion auf den Listerien-Fall.

 

PS: Recherchen und Prozesse wie im Fall Lidl kosten Zeit und Geld. Daher unsere große Bitte: Unterstützen Sie uns und werden Sie Fördermitglied:
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Quelle: foodwatch.de

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